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    KERSTIN ENDERS
    „Wenn ich meine jetzigen Möglichkeiten und Anforderungen mit früher vergleiche, war damals alles nur ein ‚Hauch von Nichts‘“ erzählt Kerstin Enders, Maskenbildnerin am Staatstheater Saarbrücken. Nicht immer konnte sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Besonders nicht in ihrem vorherigen Beruf der Rechtsanwaltsgehilfin.

    25 Jahre ist ihre Ausbildung zur Frisörin nun her, danach folgte die Weiterbildung zur Maskenbilderin. Risikoreiche Entscheidungen, die Sehnsucht nach der Heimat und vieles mehr machen ihre berufliche, wie auch private Laufbahn zu etwas ganz besonderem…

    Menschen, die einen kreativen Beruf ausüben, wie ich beispielsweise auch, haben ja meist in ihrer Kindheit den Ursprung dessen. Hast du in deiner Jugend viel Theater gespielt oder wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

     
    Kerstin: Mein beruflicher Weg bis zu meiner Arbeit als Maskenbilderin hatte ein paar Zwischenstops. Durch meinen ersten Job als Rechtsanwaltsgehilfin wurde mir erst einmal klar, dass ich mehr Abwechslung und Kreativität in mein Berufsleben bringen möchte. Als ich mich dann endgültig für einen Tapetenwechsel entschieden habe, lautete das Resultat eines Eignungstests: Frisörin. Die Ausbildung dauerte drei Jahre. Durch die Unterhaltung mit einer Freundin folgte eine Weiterbildung zur Maskenbildnerin. Eine riskante und sehr risikoreiche Entscheidung erneut eine feste Stelle zu beenden und weitere drei Jahre Ausbildung zu machen.
    Nach einer langen Reise quer durch die Republik bin ich nun beruflich wie auch privat wieder in meiner Heimat angekommen – hier bin ich zuhause.

    Ich durfte während der Schulzeit bei einem Wandertag hinter die Kulissen einer Theaterproduktion blicken und es war erstaunlich zu sehen, wie exakt der gesamte Ablauf geplant ist. Kommst du „backstage“ auch mal ins schwitzen?

     
    Kerstin: Wenn man bedenkt, dass wir bei einer Aufführung mit einem überschaubaren Team von vier Maskenbildern in einem Zeitraum von 90 Minuten 60 Darsteller bühnenreif schminken und frisieren müssen, kannst du dir sicherlich vorstellen, dass dies nicht funktioniert, ohne dass Hektik aufkommt. Diese intensive Arbeit an und mit den Künstlern sorgt dann natürlich dafür, dass man quasi mit dem Stück verschmilzt und in eine andere Welt eintaucht. Gerade hier beim Theater hat unsere Arbeit eine große Bedeutung, die auch ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlt. Dies bedeutet mir sehr viel, bin ich doch mit meiner Arbeit sichtbarer Teil des Ganzen. Diese unausgesprochene Wertschätzung war es, die mir bei meinem Zwischenstopp beim Fernsehen fehlte, denn dort lag der Fokus eher darauf eine Arbeit zu verrichten, die man gerade nicht wahrnehmen sollte.


    Gibt es eine ungewöhnliche Aufgabe eines Regisseurs, an die du dich heute noch gern zurück erinnerst?

     
    Kerstin: Ich könnte natürlich viele Beispiele nennen. Jeder Künstler versucht natürlich in der Rolle des Regisseurs durch persönliche Stilrichtungen und Eigenheiten einer Produktion das gewisse Etwas zu verleihen. Vor ein paar Jahren durften wir an einer Inszenierung des Stückes „Prinzessin Turandot“ mitwirken. Unsere Aufgabe bestand darin aus Babywindelstoff Köpfe zu entwerfen. Dieser Stoff ist sehr weich und hell. Als Gegensatz war die Idee des Regisseurs, die Stilrichtung des Pointillismus mit einzubeziehen. Mit schwarzen Punkten auf der gesamten Fläche der Köpfe sollte somit allen Masken ein morbider, düsterer Charme verliehen werden.

    Gibt es eine Wunschinszenierung, der du für jeden Preis deinen Stempel aufdrucken wollen würdest, und wenn ja wieso diese?

     
    Kerstin: Ja, in der Tat. Mich hat schon immer die Figur des Otello aus der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi fasziniert, der als „Mohr“ bezeichnet, aber nur selten mit einem farbigen Darsteller besetzt wird. Oftmals liegt der Fokus bei der Wahl des Darstellers auf seiner stimmlichen Begabung und weniger auf seinem äußeren Erscheinungsbild. Einen weißen Darsteller zu einem „echten Farbigen“ zu machen, ist eine besondere Aufgabe, die einem selten oder vielleicht sogar nie zugesprochen wird.

    Bald steht wieder Fasching vor der Tür. Du kannst sicherlich aus einem riesigen Archiv aus Masken, Kleidern und weiteren Accessoires jedes Jahr aufs Neue der Hingucker auf allen Partys sein?

     
    Kerstin: Die gleiche Vorstellung wie du haben noch viele andere Menschen, die Realität sieht ein wenig anders aus. Nach jeder Inszenierung wird bei uns im Hause quasi der Reset-Knopf gedrückt, denn die Inszenierungen leben auch gerade davon, dass jedes Kostüm, jede Kulisse und auch jede Maske einzigartig bleiben. Kein Element, das in einer Inszenierung verwendet wird, soll genau so in einer anderen Inszenierung wieder auftauchen. Natürlich werden Perücken wiederverwendet, aber eben auch aufwendig umbearbeitet.

    Danke für den interessanten Einblick hinter die Kulissen. Wie immer freue ich mich auf eure Resonanz!

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    KOMMENTARE

    1 KOMMENTAR

    ganz toll, sehr gut geschrieben… fotos sind klasse!

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